"Kindliches Erleben phantastischer Welten in Buch und Spiel."
Abstract
Obwohl Phantastik einen hohen Rang beim Leseinteresse junger Menschen einnimmt, hemmt der anhaltende Vorwurf der Trivialität und des Eskapismus die Erforschung ihrer besonderen Wirkungsmacht. Dieser Beitrag beschäftigt sich daher mit der Frage nach den Potenzialen phantastischer Welten in Literatur und Fantasy-Rollenspielen für die Entwicklung Heranwachsender. Dazu werden zunächst die spezielle Bedeutung phantastischer Kinder- und Jugendliteratur (KJL) für die Ausbildung von Empathie, Perspektivübernahme sowie die Identitätsbildung fokussiert und aktuelle Tendenzen der KJL untersucht. Im Anschluss wird vor dem Hintergrund der sozial-kognitiven Entwicklung von Kindern aufgezeigt, wie Pen-and-Paper-Rollenspiele (P&P) bereits früh Identifikationsangebote liefern können, und erarbeitet, welche Voraussetzungen sie dafür erfüllen müssen. Es zeigt sich, dass gerade phantastische Welten für Heranwachsende einen geschützten Raum bieten können, um aus distanzierter Perspektive unterschiedliche Denk- und Handlungsprozesse zu erforschen und damit ihre eigene Identität weiter auszubilden.
Although the fantastic remains of high interest to young readers, research into its effects and influence continues to be impeded by common allegations of triviality and escapism. In this article, we discuss the potential effects of fantastic worlds in literature and Fantasy-Role-Playing-Games (RPGs) on the development of children and adolescents. Initially, we focus on the significance of fantastic literature for children and adolescents for the development of empathy, perspective-taking, and identity and examine trends in contemporary literature. Thereafter, we demonstrate how and based on which essential features tabletop-RPGs can deliver early identification models against the backdrop of children’s social-cognitive development. It becomes apparent that fantastic worlds may offer a safe space for children and adolescents to explore diverse thought and action processes aiding in the further development of their identity.
