Könneker, Carsten (2007):
"Zwischen Wahrheit und Dichtung: Über journalistisch vermittelte Technikkatastrophen." Entfesselte Kräfte: Technikkatastrophen und ihre Vermittlung: Internationale Tagung am 6. und 7. Juli 2007 in Köln. Eds. Petzold, Dieter; Drux, Rudolf; Kegler, Karl R.. Moers: Brendow. 92-106. Inklings-Jahrbuch 25.
Article in Anthology

Abstract

Nicht nur Schriftsteller und Drehbuchautoren, auch Journalisten schaf­fen Texte und Bilder über Technikkatastrophen. Nach einem Fährunglück, einem Reaktorbrand, einem Dammbruch sind sie es, die das Ereignis als erste mit dem Stempel ‘Katastrophe’ versehen. Doch nicht nur über fakti­sche, auch über eventuell bevorstehende oder gar nur theoretisch denkbare Unglücke schreiben sie. Die Fragen, denen ich im Folgenden nachgehen möchte, lauten daher: Inwieweit unterscheiden sich journalistische und lite­rarische Texte über Technikkatastrophen? Gibt es verschiedene Herange­hensweisen, Strategien, Vermittlungsformen? Und worin besteht der Mehr­wert der einen gegenüber den anderen? Ich nähere mich dem Problem auf vier Ebenen an: Textorganisation und -Struktur, Verhältnis von Information und Unterhaltung, stilistische Kennzeichen sowie Bild-Text-Integration. Auch wenn ich meiner Untersuchung Texte über Technikkatastro­phen zu Grunde lege, gelten die Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen journalistischen und literarischen Texten unabhängig vom Sujet. Den­noch zeigt sich, dass sich die Auseinandersetzung mit Technikkatastrophen besonders eignet, eine zentrale Erkenntnis zu verdeutlichen: Journalisti­sche Texte sind nicht nur informativ - sie unterhalten auch; und literari­sche Formen sind (und waren) nicht nur unterhaltend, sondern vermitteln immer auch Wissen. Von der intendierten Wirkung der beiden Textarten her betrachtet, lässt sich daher kein Gegensatz von Wahrheit und Dichtung aus­machen.


It is not only novelists and writers o ffilm Scripts, but also joumalists who create texts and images of technological disasters. It is they who stamp an incident as a 'disaster' after a ferry boat acadent, a fire in a nuclear plant, or the bursting of a dam. And they write not only about factual disasters but also about those that may happen or that are just theoretically conceivable. The questions I am going to investigate are as follows: How do journalistic and literary texts about technological disasters differ? Are there different approaches, strategies, mediations? What is the relative value of the one com­pared to the other? I will approach the problem on four levels: the organi­zation and structure of texts, the relation of information and entertainment, characteristics of style, and the integration of pictures and texts. Even though my investigation concerns only texts about technological disasters, the findings relate to differences between journalistic and literary texts in general. However; dealing with this particular subject is particularly apt to point out a central truth: journalistic texts are not only informative but also entertaining, and literary texts do not only entertain but also instruct. When looking at the intended impact on the reader, the opposition of 'truth' and 'fiction' cannot he maintained.