"Shock and Spectacle on the Nineteenth-Century Stage:
Abstract
This paper looks at an aspect of the pre-history of the filmic imagination of technological disaster, specifically the spectacular “ sensation melodramas” of the nineteenth-century stage. These plays (by Dion Boucicault, Augustin Daly, and others) used highly realistic sets to offer audiences the pleasures of fictional immersion in an on-stage world that was recognizably their own, as well as the more physical pleasures of spectacle, shock, and suspense. A recurring feature of these dramas is the scenario in which human agency triumphs over the machine, suggesting a fantasy of escape from technology, or the avoidance of technological disaster. But by deploying split-second timing and narrative suspense these plays replicated the speeded-up world of urban modernity rather than providing an escape from it. Thus in many ways they offer audiences a sort of “ training” in the temporality of a technologically-mediated world, but make that training pleasurable. In this paper I want to look in particular at a sub-set of these “ sensation melodramas” that projects the fantasy of human triumph into a pre-modern world, thus offering what we might term pastoral spectacle. But I will argue that for all that these pastoral plays seem to be a rejection of technologically-mediated modernity they are no less implicated in it.
In meinem Beitrag wende ich mich einem besonderen Kapitel aus der Vorgeschichte von Technikkatastrophen im Film zu, vor allem den spektakulären Sensationsstücken auf den Bühnen des 19. Jahrhunderts. Diese Stücke (etwa von Dion Boucicault, Augustin Daly und anderen) verwendeten äußerst realistische Bühnenbilder; um das Publikum im Theater mit einer fiktional verfremdeten Variante der eigenen Gegenwart, mit Schock, Spektakel und Spannung zu unterhalten. Ein häufig verwendetes Motiv in diesen melodramatischen Inszenierungen ist der Triumph menschlichen Handelns über die Maschine. Dieser Triumph erlaubt den Protagonisten auf der Bühne eine fiktionale Flucht aus der Technik oder die Abwendung drohender Katastrophen. In ihrem sekundengenauen Timing und ihrer inszenatorischen Spannung sind diese Stücke andererseits ein Spiegel der beschleunigten städtischen Lebenswelt dieser Zeit und stellen nicht etwa eine Gegenwelt dar. Insofern können sie als eine Art unterhaltsames Trainingsprogramm gesehen werden, das sich der Bühne als technisch-vermittelter temporärer Welt bedient und so ein kurzweiliges Lernen ermöglicht. In meinem Vortrag möchte ich eine besondere Gruppe dieser Sensations-Melodramen untersuchen, welche die Fiktion einer Rückkehr in eine vorindustrielle Welt zum Inhalt haben; es sind insofern ländlich-'pastorale’ Schauspiele. Obwohl diese Stücke eine technisch bestimmte Moderne zurückweisenysind sie gleichwohl in ihr verankert.
