"'Als Götter sehen wir uns wieder':
Abstract
In der deutschsprachigen, expressionistischen Literatur (Georg Kaiser, Karl Otten etc.) und in der Geisteswelt nach dem ersten Weltkrieg (Sigmund Freud, Oswald Spengler) sind technikkritische und pessimistische Einstellungen deutlich greifbar. Ein ganz anderer spielerisch-imaginativer Umgang mit der Technik begegnet im Werk zweier Autoren, deren Schaffensphase kurz vor 1914 endet: Paul Scheerbart (1863-1915) und Hermann Harry Schmitz (1880-1913). In Scheerbarts Werk nimmt Technik aus ganz und gar untechnischen Motivationen eine zentrale Stellung ein. Technik erscheint als ein manipulatives, extrem wirkungsmächtiges Medium, das dazu beitragen kann, die Welt im Rahmen von phantastisch-gestalterischen und kosmologischen Zielen umzuformen. Ein anderes groteskes Spiel mit der Technik wird im Werk von Hermann Harry Schmitz faßbar. Schmitz Erzählungen haben Alltagskatastrophen mit technischen Gebrauchsgegenständen zum Inhalt. In seinem skurrilen Geschichten drückt sich die Spannung zwischen einem technischen Positivismus des “anything goes” und einem bürgerlich-geruhsamen Familienideal aus. Beide Autoren offenbaren in phantastisch-experimenteller Verfremdung spielerischen Optimismus im Umgang mit der Technik, der nach dem ersten Weltkrieg von negativen Technikbildern überlagert wird.
German expressionistic literature of the post World War I period (i. e. Georg Kaiser; Karl Otten) as well as cultural philosophy and psychology of this age (Sigmund Freud, Oswald Spengler) are marked by a pessimistic and negative approach to technology. A completely different imaginative, humorous and experimental use of technology can be traced in the work of two authors whose literary production ended just before 1914: Paul Scheerbart (1863-1915) and Hermann Harry Schmitz (1880-1913). In his experimental and humorous stories Scheerbart uses technology as a manipulative and very powerful device to establish non-technological, aesthetic and cosmological ideas to change the world in an imaginative and multicoloured way. Schmitz's grotesque and riotous stories rehearse catastrophes with technical devices in every-day life. Their grotesque tension illustrates an inner division between a positivist “anything goes” attitude towards technology and a bourgeois idea of family life. Both authors, though, share an inner optimism with regards to technology expressed through experimental and playful alienation.
