Schreier, Josef (2009):
"Lust und Dämonie: Der Vampir auf der Opernbühne." Der Vampir: Von der Dämmerung der Gothic Novel bis zum Morgen-Grauen des Teenieromans: Tagung am 2. und 3. Oktober 2009 in Köln. Eds. Petzold, Dieter. Moers: Brendow. 37-61. Inklings-Jahrbuch; 27.
Article in Anthology
Abstract

Die kleine Erzählung “The Vampyre” von John William Polidori (beim Erscheinen 1819 Byron zugeschrieben) hat nur neun Jahre später (1828) auf deutschen Opernbühnen gleichzeitig zwei völlig unterschiedliche musikalische Adaptationen gefunden. Die beiden Komponisten, Heinrich Marschner und Peter Josef Lindpaintner, und ihre Librettisten haben aber ihre Vampirgestalten aus der literarischen Sphäre deutlich weggerückt und sie aus dem Zusammenhang musikgeschichtlicher Daten entwickelt. Der Sinn dieser Vampirgestalten wird daher – mehr als aus der literarischen Quelle – aus der Rezeption von Mozart (Don Giovanni) oder Weber (Freischütz) verständlich und weist stark voraus auf das Werk Wagners (Fliegender Holländer, Parsifal). Dies läßt andererseits markante Rückschlüsse zu auf die geistesgeschichtliche Stellung der Vampirgestalt überhaupt.


Only nine years after its publication in 1819, John William Polidori's short story "The Vampyre" (attributed to Byron at the time) was adapted twice for the German opera, in two totally different musical versions. However, the two composers, Heinrich Marschner and Peter Josef Lindpaintner; and their librettists moved their vampires away from the literary sphere, placing them instead in the context of musical history. Thus the meaning of these vampires is related to the reception of Mozart (Don Giovanni) and Weber (Der Freischütz) rather than to its literary source, foreshadowing, at the same time, the works of Wagner (Fliegender Holländer, Parsifal). This, in turn, allows significant conclusions concerning the position of the vampire in general within the history of ideas.